
Der 28. Friedensfilmpreis geht an Mahdi Fleifel
für seinen Dokumentarfilm "A world not Ours".
Begründung der Jury
Der dänisch-palästinensische Regisseur Mahdi Fleifel stammt aus dem
Flüchtlingslager Ain el-Helweh, einem der ältesten im Süd-Libanon. Sein Vater
und er dokumentieren mit der Kamera das Leben der Familie und des Lagers,
mit liebevollem Blick und Humor – über dreißig Jahre hinweg. Deutlich wird die
zermürbende Situation der Menschen ohne Hoffnung und Zukunft im Lager, das
zu einer Insel der Isolation wird. Aus Fleifels Erinnerungen entsteht ein
dichtes Bild vom Leben im Niemandsland.
Der Film befreit sich völlig von den üblichen Schemata der Einordnung der
Konflikte zwischen Israelis und Palästinensern. So wird er zu einem Plädoyer
für einen neuen Friedensprozess im Nahen Osten.
Immer mehr Menschen leben über längere Zeiträume in den Flüchtlingslagern
unserer Erde. Sie hoffen immer noch auf ein Leben in Würde und darauf in ihre
Heimat zurückkehren zu können.
Laudatio von Rosa von Praunheim
und Fotos von der Preisverleihungsveranstaltung
Solidaritätsaktion für Jafar Panahi

Der Friedensfilmpreis setzte seine Solidaritätskampagne mit dem iranischen Regisseur Jafar Panahi am Dienstag 12. Februar 2013 fort. Anlässlich der Welturaufführung von Panahis Wettbewerb-Beitrag "Pardé/Closed Curtain" erinnern Jury- und Trägerkreismitglieder des Friedensfilmpreises mit 3 lebensgroßen Figuren und dem Aufruf "Ich sollte hier sein" an Panahis Berufs- und Ausreiseverbot.
Jafar Panahi wurde 2010 in seinem Heimatland zu einem 20-jährigen Berufs- und Ausreiseverbot verurteilt, womit eine sechsjährige Inhaftierung verbunden ist, sollte er gegen die Auflagen verstoßen.

Nachdem er daraufhin seine Berufung in die Jury für die Berlinale 2011 nicht wahrnehmen konnte, machte sich die Initiative Friedensfilmpreis
mit der Plakataktion "Wo bleibt Panahi?" im Rahmen der Berlinale für seine Freilassung stark. Im vergangenen Jahr wurde die Plakataktion fortgesetzt, um auf die unveränderte Situation des Filmemachers
aufmerksam zu machen.
"Ich sollte hier sein!" knüpft an die beiden vergangenen Jahre an und ruft das Schicksal vieler Künstler in Erinnerung, die durch Zensur und Verfolgung bedroht sind: Mohammad Rasoulof, iranischer Regisseur, wurde 2010 zusammen mit Panahi zu sechs Jahren Haftandrohung und 20 Jahren Berufs- und Ausreise-verbot verurteilt.
Für den chinesischen Künstler Ai-Wei-Wei, benannte die Initiative Friedensfilmpreis bei der letzten Berlinale kurzzeitig den Marlene-Dietrich-Platz um in Ai-Wei-Wei-Platz. Ai wurde inzwischen auf Kaution freigelassen, darf das Land jedoch nicht verlassen.
Im EU-Mitgliedsstaat Ungarn verschlechtert sich die Situation von Filmschaf-fenden und anderen Künstlern dramatisch. Sie unterliegen erstickenden Restriktionen durch die kulturpolitischen Leitlinien der rechtsnationalen Regierung. So musste in diesem Jahr erstmals seit seiner Gründung 1965 das Film-Festival „Magyar Filmszemle“ abgesagt werden, weil es aufgrund
des Wegbrechens der unabhängigen Förderstrukturen für die Filmproduktion keine neuen ungarischen Filme gibt.

(von links) Christoph Heubner (Jury-Sprecher) Mehdi Benhadj-Djilali, Martin Zint, Marianne Wündrich-Brosien, Helgard Gammert, Claudia Gehre, Pary El-Qualqili, Monica Puginier, Sobo Swobodnik.
"Die Arbeit der Jury gleicht einer langen Reise in die Welt der Armut,
der Unterdrückung, der militärischen und politischen Konflikte und
Krisen: Jeder Film bittet um Aufmerksamkeit für die betroffenen
Menschen, für ihr Leid, aber auch ihren Mut der Verzweiflung und
ihre Hoffnung auf Änderung der Verhältnisse."
Christoph Heubner
Lesen Sie hier Berlinale-Eindrücke von Jury-Mitglied Martin Zint.

Die Liste enthält 24 Filme - vom Wettbewerb bis zum Kinderfilm.
Die Entscheidung über den Friedensfilmpreisträger 2013 fällt Freitagabend/nacht.
WETTBEWERB
Epizoda u zivotu beraca zeljeza
(An Episode in the Life of an Iron Picker)
Pardé
(Closed Curtain)
Side Effects
Uroki Garmonii
(Harmony Lessons)
Layla Fourie

PANORAMA
Art / Violence
A World Not Ours
The Act of Killing
Salma
Inch ’Allah
Kai Po Che
(Brothers for Life)
Habi, La Extranjera
Workers

FORUM
A batalha de Tabato
(The Battle of Tabato)
Fahtum pandinsoong
(Boundary)
Krugovi
(Circles)
Materia oscura
(Dark Matter)

Senzo ni naru
(Roots)
Die 727 Tage ohne Karamo
GENERATION
Twa Timoun
(Drei Kinder)
Cita – Citaku Setinggi Tanah
(Durch fliegendes Gras)

Mammu, es Tevi milu
(Mama, ich lieb Dich)
Princesas Rojas
Tough Bond
PERSPEKTIVE DEUTSCHES KINO
Endzeit
Metamorphosen