Dienstag, 30. Juni 2015
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Friedensfilmpreis für "The Look of Silence"

Otmar Alt übergibt die von ihm geschaffene Bronzeskulptur an Joshua Oppenheimer (Foto: Stephan Röhl)

Der Regisseur im Gespräch mit Werner Herzog

hier


Friedensfilmpreis 2015: The Look of Silence

Der Friedensfilmpreis 2015 geht an
THE LOOK OF SILENCE
von Joshua Oppenheimer

Mehr als eine Million Menschen wurden in Indonesien nach dem Militärputsch von 1965 grausam und willkürlich umgebracht. Verbrechen die nie aufgearbeitet noch geahndet wurden. Über die Täter drehte Joshua Oppenheimer bereits den preisgekrönten Dokumentarfilm „The Act of Killing“. In seinem neuen Film „THE LOOK OF SILENCE“ wechselt er die Perspektive. Adi, der Bruder eines der Ermordeten, sucht den Kontakt mit den Tätern und befragt sie zu ihren Taten. Oppenheimer gelingt es auf ergreifende Weise ein gesellschaftliches Tabu aufzubrechen. Daraus entstand ein Film über die Abgründe menschlicher Grausamkeit und über die hoffentlich ebenso große Fähigkeit zur Versöhnung. Die tödliche Stille lässt sich durch Nachfragen überwinden. Das öffnet Opfern und Tätern die Chance zum Weiterleben in einer versöhnten Welt. Das ist eine einfache, aber so sehr wichtige Botschaft des Films. [mehr]

Preisverleihung und Vorführung des Preisträgers:
Sonntag, den 15. Februar 2015, 17 Uhr im Babylon, Berlin Mitte

Eine lobende Erwähnung spricht die Friedensfilmpreisjury dem Film FLOTEL EUROPA aus (Vladimir Tomic, Srdjan Keca, Selma Jusufbegovic, Dänemark/Serbien 2015). Der Film zeigt Flüchtlinge nicht als Objekte unserer Ängste oder Mildtätigkeit, sondern als selbstbewusste Subjekte ihres Handelns, sie nehmen ihr Schicksal in die Hand.
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30 Jahre Friedensfilmpreis

 

 

Stimmen zum Friedensfilmpreis

Dieter Kosslick

Festivaldirektor

Ich denke, dass der Friedensfilmpreis zu dem Festival ziemlich gut passt und wir zu dem Friedensfilmpreis gut passen. Die Berlinale beschäftigt sich mit den realen Problemen der Welt, und dazu gibt es große und kleinere Veranstaltungen. Zu diesen Aktivitäten gehört auch der Friedensfilmpreis – er hat in diesem Zusammenhang einen großen Stellenwert. 

Robert Thalheim

Regisseur

Ich glaube an die Kraft von Filmen, ihre Wirksamkeit in der Gesellschaft. Ich glaube nicht, dass Filme Kriege verhindern können. Aber ich glaube, dass sie als Seismographen für gesellschaftliche Zustände fungieren können. Dafür braucht man Leute, die solche Filme stark machen und genau hinschauen. Und solche Filme auch erklären, sie anderen Leuten zugänglich machen. Dafür steht für mich der Friedensfilmpreis: Aufmerksamkeit zu schaffen, ein Forum zu schaffen, auch anzuregen, bei einem Film genau hinzugucken.

Prof. Jutta Limbach

Ein Friedensfilm sollte die klare Botschaft vermitteln, dass Gewalt kein Mittel der Konfliktlösung ist.

Christoph Heubner

Internationales Auschwitz Komitee

Jenseits der Frage, ob in einer permanent unfriedlichen Welt ein "Friedensfilmpreis" überhaupt Sinn macht und man nicht lieber nicht nur im Kino sondern auch auf der Leinwand das Licht ausmachen sollte, beharren wir auf unserem Recht auf Einmischung und Ermutigung: Gerade das Kino kann zu einem besonderen Teil einer "anderen Welt" werden, weil es über Grenzen hinweg Denken und Fühlen der Menschen zugleich erreicht.

Carolin Emcke

Journalistin

Ein Film kann auf ein Unrecht aufmerksam machen, das unbeachtet geblieben ist, ein Film kann Konflikte zu ihren Quellen zurückverfolgen und uns darin eine Einsicht vermitteln, wie Gewalt und Krieg zu vermeiden wären, es kann also ein aufklärerischer Anspruch damit einhergehen. Aber für den Friedensfilm-Preis kommen auch Filme in Frage, die eine Vision anbieten, die eine utopische Kraft in sich tragen, und uns damit anstiften können.

Pepe Danquart

Regisseur

Es war damals eine Auszeichnung, die mir mehr bedeutet hat als manch anderer Preis, der in dieser Branche (und damit für die weitere Karriere) weit größeres Renommee und Bedeutung besitzt, wie der deutsche Filmpreis oder der Goldene Bär zum Beispiel. Er hat mir mehr bedeutet, weil er ein Preis für eine Haltung ist. Zur Welt und ihrem Zustand. Weil er Respekt ausdrückt für den Mut, sich damit auseinander zu setzen ohne den kommerziellen Gedanken im Vordergrund zu haben. Weil er ausdrückt, dass andere Menschen diese Haltung erkennen in dem, was man tut.

Michael Winterbottom

Regisseur

Es ist unglaublich toll, dass wir am Ende (für In This World) den Friedensfilmpreis bekommen haben. Und ich hoffe er trägt dazu bei, dass auch Leute, die nicht in erster Linie an Film interessiert sind, ermutigt werden ins Kino zu kommen, weil sie allgemein am Thema interessiert sind. 

 

 

Martin bloggt wieder ...

... von seiner Suche nach dem Friedensfilm 2015 bei der 65. Berlinale!

[HIER]

Ein bisschen Frieden?

von Jurymitglied Andreas Altenhof
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Diese Filme sichtete die Jury