Empfehlung für den 20.2.2010:
"Budrus" von Julia Bacha

Empfehlung für den 19.2.2010:
"Der Tag des Spatzen" von Philip Scheffner

Empfehlungen für den 18.2.2010:
"L´Arbre et la Forêt" von Olivier Ducastel und Jacques Martineau |
"Shahada" von Burhan Qurbani

Empfehlung für den 17.2.2010:
"Shtikat Haarchion -- Geheimsache Ghettofilm" von Yael Hersonski

Empfehlung für den 16.2.2010:
"Bestevenner" von Christian Lo

Empfehlung für den 15.2.2010:
"Neukölln Unlimited" von Agostino Imondi und Dietmar Ratsch

Empfehlung für den 14.2.2010:
"Friedensschlag – Jahr der Entscheidung" von Gerardo Milsztein

Empfehlung für den 13.2.2010:
"Black Bus" von Anat Yuta Zuria

Empfehlung für 12.2.2010:
"The Oath" von Laura Poitras

Über die Empfehlungen

Die Nachfrage in den letzten Jahren war lebhaft, die Resonanz in der Filmbranche gut: Auch dieses Jahr empfehlen einzelne Mitglieder der Friedensfilmpreis-Jury jeden Tag einen sehenswerten Berlinale-Friedensfilm. Die FriedensFilm-Empfehlungen weisen auf Filme hin, die Mut machen, in denen Konflikte gewaltfrei gelöst werden, die den Horizont erweitern, die Zuschauer berühren und im besten Fall verändern.

Jeden Berlinale-Tag präsentieren wir Ihnen und ihrer Hörer-, Zuschauer- und Leserschaft einen Film, der politisch brisant und filmisch wertvoll ist. Die Filme sind zum Zeitpunkt der Empfehlung noch mindestens zwei Mal auf dem Festival zu sehen.

Jede Empfehlung gibt eine einzelne Meinung eines Jurors, einer Jurorin wieder. Die Empfehlungen werden unabhängig von der Entscheidung der Jury des Friedensfilmpreises über den Preisträger 2010 abgegeben und erlauben keinen Rückschluss auf den Gewinner des 25. Friedensfilmpreises.

Mehr zur Verleihung 2010

Die Filmempfehlungen 2009

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Friedensfilm-Empfehlung #10 für Samstag, 20.2.2010

"Budrus" von Julia Bacha, USA, 2009, Panorama

"Es gibt also doch noch etwas anderes als die vielen depressiven Geschichten, in denen FilmemacherInnen die Verluste unserer Zeit aufzählen. Hier zum Beispiel der Film, der den Kampf der Männer und Frauen des palästinensischen Dorfes Budrus schildert:

Der Ort soll von der geplanten großen Sicherheitsmauer der Israelis eingepfercht werden, abgeschnürt, von seinem Umland und den Ölhainen abgeschnitten. Schon haben die israelischen Bagger die Olivenbäume niedergewalzt und ausgerissen, da beginnt die Dorfbevölkerung ihren gewaltlosen Widerstand mit Demonstrationen und der Besetzung ihres eigenen Landes. Der militärischen Gewalt der israelischen Okkupanten setzen sie listige Strategie und entschlossenen Mut ihrer Körper entgegen. Und schließlich kommt ihnen die Solidarität israelischer Friedensgruppen zu Hilfe – „Die Freundschaft, sie ist doch kein leerer Wahn!“. Die internationale Aufmerksamkeit wächst und mit ihr die Teilnahme weiterer ausländischer Unterstützer.

Der Protest gegen das Unrecht, das die israelische Regierung hier durchsetzen will, überträgt sich auf den Zuschauer. Politisches Argumentieren und die lebendige Erfahrung, wie Menschen sich gegen ihre Entrechtung auflehnen, gehen Hand in Hand. In diesem Sinne ist dies ein „parteilicher Film“: Die Filmemacher ergreifen die Partei derer, deren Leben zu filmen sie sich entschlossen haben. Mitten unter ihnen sind sie mit ihrer Kamera. Wenn die Gasgranaten und die Gummigeschosse fliegen, müssen auch sie fliehen; wenn das Krachen scharfer Schüsse die DemonstrantInnen bedroht, müssen auch sie sich wegducken, und wenn die Steine der palästinensischen Jugendlichen von deren Anführern nicht mehr zu verhindern sind, müssen sie sich und ihre Kamera schützen, und das weiterlaufende Filmbild läßt den Zuschauer die Gewalt der Auseinandersetzung als eigene physische Empfindung erleben.

Das Eindrucksvollste an diesem Film sind aber die Erzählungen der Menschen von ihrem Leben, von ihren Hoffnungen und Zielen. Wie uns in diesen Aufnahmen die Kinder, die PalästinenserInnen und auch einige israelische SoldatInnen entgegentreten, wie sie uns ansehen und wie an ihren Augen und Gesten schließlich der Erfolg des Dorfes Budrus abzulesen ist, das sind Glücksmomente, die uns das dokumentarische Kino nur selten schenkt."

Christian Ziewer, Mitglied der Jury des Friedensfilmpreises

Kommende Aufführung:

  • 20.02.  20 Uhr  Cinestar 7

Friedensfilm-Empfehlung #9 für Freitag, 19.2.2010

"Der Tag des Spatzen" von Philip Scheffner, Deutschland, 2010, Forum

Eine Presseinformation des Friedensfilmpreises der Internationalen Filmfestspiele Berlin 2010 vom 18. Februar 2010
"Der "Tag des Spatzen" ist ein außergewöhnlicher Film, mit einer ganz eigenen Bild- und Wortsprache. Philip Scheffner macht es uns dabei alles andere als leicht, der Film braucht einen gewissen Anlauf, um uns zu fesseln.

Das Schicksal der erschossenen Spatzen beginnt dann zu interessieren, als unmissverständlich deutlich wird, worum es wirklich geht: Um den Krieg, der auch im (scheinbaren) Frieden da ist und nicht ignoriert werden kann, auch wenn alles noch so idyllisch scheint, Menschen ziehen in den Krieg, kämpfen, sterben oder kehren verändert zurück.

Betroffene kommen zu Wort und werden in eine filmische Erzählsprache aus Memos, Statements und Bildern, die aus sich selbst heraus sprechen, eingebunden und es stört nicht, dass immer wieder die Frage nach Krieg oder Frieden gestellt wird, obwohl wir die Antwort schon längst kennen. Es ist nicht einfach, sich dem Komplex Bundeswehr mit Transparenzabsichten zu nähern, vielleicht sind die Bilder und Worte von Philip Scheffner eine der ganz seltenen Momente, militärische und zivile Logiken zu erklären. Diese ist uns fremd und das zu recht. Selbst auf die Spatzen wird geschossen."

Oliver Passek, Mitglied der Jury des Friedensfilmpreises 2010

KOMMENDE AUFFÜHRUNGEN:

  • 19.02.     19:00     Delphi Filmpalast
  • 20.02.     12:30     Cubix 7
  • 20.02.     22:30     Kino Arsenal 1

Friedensfilm-Empfehlung #8 für Donnerstag, 18.2.2010

"Shahada" von Burhan Qurbani, Wettbewerb

"Der Episodenfilm „Shahada“ erzählt die Geschichte dreier junger Muslime in Berlin, deren Leben und Glauben ins Wanken gerät. Maryam, die Tochter eines liberal denkenden Imams, bricht mit Hilfe von Medikamenten eine heimliche Schwangerschaft ab, was für sie nicht ohne Folgen bleibt. Ismael ist Polizist. Bei einer Razzia auf einem Großmarkt trifft er die Frau wieder, deren Leben er zerstört zu haben glaubt. Seine überwundene Krise, an deren Ende ein Selbstmordversuch stand, droht ihn wieder einzuholen. Samir kann seine Gefühle für einen Arbeitskollegen nicht mit seinem Glauben vereinbaren, was für ihn zur Zerreißprobe wird.

„Shahada“ ist ein Film über den Glauben im Allgemeinen und dem Islam im Besonderen. Der Titel bezieht sich auf die erste Säule im Islam, das Glaubensbekenntnis. Damit verbunden ist eine freie und bewusste Entscheidung für einen bestimmten Weg. Vor der Entscheidung ihres persönlichen Weges, in einer Welt zwischen westlichen Wertevorstellungen und kulturellen Traditionen, stehen auch die drei Protagonisten. Dabei gelingt es dem Regisseur Burhan Qurbani vor allem die Menschlichkeit im Glauben aufzuzeigen. Eine Menschlichkeit, die zwischen Hass und Liebe, zwischen Unversöhnlichkeit und Vergebung, sowie zwischen Fundamentalismus und Toleranz immer nur von der persönlichen Auslegung des Glaubens abhängt und somit jeden in die Verantwortung nimmt."

Mehdi Benhadj-Djilali, Mitglied der Friedensfilmpreis-Jury

WEITERE AUFFÜHRUNGEN

  • 18.02.  20:00  Urania
  • 21.02.  22:00  International

Friedensfilm-Empfehlung #7 für Donnerstag, 18.2.2010

"L´Arbre et la Forêt" von Olivier Ducastel und Jacques Martineau, Frankreich, 2010, Panorama

"Ein Film über die Suche nach dem inneren Frieden. Frankreich 1999: Ein Mann, Betreiber einer größeren Forstwirtschaft beendet nach mehr als 50 Jahren eine Lebenslüge: Als junger Mann wurde er von den Nazis wegen seiner Homosexualität ins KZ gesperrt, nicht wie behauptet, als Mitglied der Resistance.

Er kommt frei, baut sich ein bürgerliches Leben auf, pflanzt einen Baum und gründet eine Familie. Jahrzehnte Leben in dieser Scheinwelt der Selbstverleugnung brechen erst auf als sein ältester Sohn, der von seinem "Geheimnis" wusste und ihn deswegen verachtete, stirbt.

Ein einfühlsamer, nicht kitschiger Film mit wunderbaren Schauspielern und eindrücklichen Bildern. Sehenswerter französischer Film vom Feinsten!"

Alice Ströver, Mitglied der Friedensfilmpreis-Jury

WEITERE AUFFÜHRUNG:

  • 18.02.     17:00     International
  • 21.02.     21:30     Zoo Palast 1

Friedensfilm-Empfehlung #6 für Mittwoch, 17.2.2010

"Shtikat Haarchion -- Geheimsache Ghettofilm" von Yael Hersonski, Israel, 2009, Panorama

"'Schon wieder Shoah! Haben wir die Schreckensbilder denn nicht schon zur Genüge gesehen? Das TV hat uns damit vollgestopft, und das Kino war auch nicht gerade zurückhaltend.' Wer von uns hat nicht schon mal so gedacht -- nicht ausgesprochen natürlich, die Pietät wurde gewahrt -- aber wenigstens gedacht. Und nun noch dies hier: 80 Minuten Filmbilder aus dem Warschauer Ghetto. (Auch von denen kommen einige uns ziemlich bekannt vor.)

Doch dieser Film ist so ganz anders als das, was wir als Fernsehbelehrung gewohnt sind. Hergestellt -- ich will lieber sagen: komponiert -- unter Verwendung von Dokumentarmaterial, das von Nazi-Propagandateams für die antijüdische Hetze gedreht worden war, konfrontiert uns 'Shtikat Haarchion' auf eine überraschende Weise mit den historischen Ereignissen. Die israelische Filmemacherin Yael Hersonski hat die Filmaufnahmen aus dem Warschauer Ghetto mit Aussagen von Beteiligten, d.h. von Opfern und Tätern des Terrorregimes, konfrontiert. Sie hat Tagebuchauszüge des Judenrates oder Verordnungen der Naziführung mit historischen Fakten und eigenen Reflexionen verbunden und so einen Zusammenhang entstehen lassen, der uns zu neuen, vertieften Einsichten führen kann. Beispielsweise wird auf erschütternde Weise deutlich, mit welch 'cineastischer Brutalität' die Nazi-Regisseure und ihre Kameraleute die Filmbilder manipuliert und ihre judenfeindliche Ideologie in Szene gesetzt haben. (Man bekommt eine Ahnung davon, wie der Faschismus seine Wochenschauen und seine Filme hergestellt hat.)  Und es wird offenkundig, dass die Vernichtung der Menschen längst beschlossen und eingeleitet war, als die, die dort im Ghetto hausen mussten, noch aufs Überleben hofften.

Der Zuschauer muss, wann immer er in diesem Film einen Ghettoinsassen sieht, daran denken, dass er einem zum Tode Bestimmten anschaut. Und er entdeckt auch so viel anderes: Er sieht, mit welchen Blicken die Juden sich gegenseitig betrachten, wenn sie merken, welch infames Spiel ihre Henker mit der Kamera aufführen. Er sieht den Schuh, der zurückbleibt, wenn das Opfer, das ihn verlor, längst aus dem Bilde getrieben worden ist. Er hört Geräusche und Musikfetzen, die Ahnungen und Assoziationen in ihm entstehen lassen, nicht in Worte fassbar. Und wenn für einen Augenblick das Schwarz-Weiß, in dem der größte Teil der Ghetto-Aufnahmen gedreht worden war, sich in ein leuchtendes Bunt verwandelt, wenn Farbfilm das Ghetto zum idyllischen Rothenburg verschönt, dann überfällt den Zuschauer ein Schrecken, der so anders ist als der von Schreien, von Leichenbergen und von donnernden Musiken. Es ist der Schrecken, der einem geräuschlos und ohne Aufhebens die Kehle zuschnürt."

Christian Ziewer, Mitglied der Friedensfilmpreis-Jury

 

WEITERE AUFFÜHRUNG:

  • 17.02.  15.30  Colosseum

Friedensfilm-Empfehlung #5 für Dienstag, 16.2.2010

"Bestevenner" / "Rafiki" von Christian Lo, Norwegen, 2009, Generation Kplus

"Viel Schnee in Norwegen. Und zu viele 'unechte' Flüchtlinge – wenn es nach der Meinung des Integrationsministers geht. Und deshalb sollen Naisha und ihre Mutter – Flüchtlinge aus Afrika – das Land ihrer Zuflucht verlassen: Das Land ihrer Zuflucht, die Wohnung, die Nächte ohne Angst, die Nachbarn, die Schulklasse und die Freundinnen, die Mette und Julie heißen. Aber der Herr Minister und die Erwachsenen und alle, die bestimmen, haben die Rechnung ohne Mette und Julie gemacht, die – um ihre Freundin zu schützen und ihre Freundschaft zu retten – bis ins norwegische Parlament vordringen. Nie vorher hat Julie den Kloß im Hals überwunden, nie hat sie vor anderen Menschen sprechen können. Aber hier überwindet sie alle Ängste und macht den Mund auf: Rafiki – Freundinnen ihr Leben lang.

Ein wunderschön erzählter Film, der die Erwachsenen ganz subtil an all das erinnert, woran sie sich längst gewöhnt haben: Das geht mich nichts an, es sind wirklich zu viele, Ausländer ... – der langsam anschleichende alltägliche Rassismus, die heimtückische Gleichgültigkeit, das infame Desinteresse.

Viel Schnee – nicht nur in Norwegen. Und viel Mut – Kinder eben, die das Leben lieben und schieben: Kinder an die Macht! Erwachsene erinnert Euch!"

Christoph Heubner, Mitglied der Jury des Friedensfilmpreises

Kommende Aufführungen:

  • 16.02.  11:00  Filmtheater am Friedrichshain
  • 21.02.  11:30  CinemaxX 3

Friedensfilm-Empfehlung #4 für Montag, 15.2.2010

"Neukölln Unlimited" von Agostino Imondi und Dietmar Ratsch, Deutschland, 2010, Generation 14plus

"'Wir helfen Ihnen, in die Heimat zurückzukehren' steht auf einem Plakat der deutschen Ausländerbehörde, die über den Aufenthaltsstatus von Lial, Hassan und Maradona entscheidet. Doch die 'Heimat' der drei jugendlichen Geschwister, das ist eindeutig Berlin-Neukölln. Da ihre Pässe libanesisch sind, werden sie und ihre Familie hier seit Jahren lediglich 'geduldet', sind sie permanent von plötzlicher Abschiebung bedroht.

Der Dokumentarfilm Neukölln Unlimited erzählt von ihrem Kampf in dieser Heimat bleiben zu dürfen, endlich einen brauchbaren 'Status' zu bekommen. Ihre Waffen in diesem Kampf sind Sprache und Tanz, die Kampfkultur: Hip-Hop.

Mit seinem amerikanisch anmutenden Plot könnte dieser Film an allen Klischees vorbei ein moderner, mitreißender Spielfilm sein: Helden die mit eisernem Willen für ihren Traum kämpfen, wie irre trainieren um die Besten zu werden, neben dem Abitur Nachts im Varieté tanzen, um sich und die Familie von Sozialleistungen unabhängig zu machen ...

Er ist mehr, denn nicht nur die bedingungslose Hingabe zu Musik und Tanz, auch die gelegentlich durchbrechende brutale Hilflosigkeit in den Augen der Helden dieses Filmes – sie sind echt."

Christoph Wermke, Mitglied der Jury des Friedensfilmpreises 2010

KOMMENDE AUFFÜHRUNGEN:

  • 15.02.    14:30    Babylon (Mitte)
  • 17.02.    18:30    Neues Off 1
  • 18.02.    11:30    Babylon (Mitte)

Friedensfilm-Empfehlung #3 für Sonntag, 14.2.2010

"Friedensschlag – Das Jahr der Entscheidung" von Gerardo Milsztein, Deutschland, 2010, Panorama

"In diesem Film ist nichts wie es sein soll: "The Kids are not all right" – sie prügeln, saufen und kiffen – und die erwachsenen Sozialarbeiter sind gar keine Pädagogen sondern Boxlehrer mir einem "Geh doch arbeiten"-Syndrom.

Regisseur Gerardo Milszstein nähert sich eindrucksvoll einer Gruppe von Jugendlichen, die keine Nähe zulassen und sich auch vor der Kamera keine Mühe machen, sich zu verstellen. Eftal, Marco, Joef und Co. sind straffällige Jugendliche, die in der Nähe von München ein ganz spezielles Trainingscamp besuchen, dessen Bestehen sie vor dem Gang in den Knast bewahren soll. Im Mittelpunkt der ungewöhnlichen Bewährungsmaßnahme steht die individuelle Auseinandersetzung mit sich selbst, nicht zuletzt im Boxring.

Doch Regisseur Milszstein verliert zwischen Kampfring, Kifferparties und Schlägereien im Bahnhofsmilieu schnell den Überblick. Nähert er sich zunächst fast jedem seiner Protagonisten, konzentriert er sich im Laufe des Films auf seine Lieblinge und verliert andere aus den Augen. Dazu Landschaftsimpressionen die kein Mensch braucht. Noch schwerer wiegt, dass Milszstein dem Charme der vermeintlichen Heilanstalt "Work and Box Company" erliegt, deren Brachialpädagogik am Ende doch nur an Militärtrainingscamps für verwirrte Zivilisten erinnert, die gerne einmal Krieg und Frieden mit abwechselnd "In die Fresse hauen" und "Verzeih mir Tränen" spielen wollen.

Dennoch lohnt sich ein Besuch für all die, die mit einer Welt in Berührung kommen wollen, die sie in ihrem Alltag nicht kennen oder höchstens wenn an der Bahnsteigkante eine Flasche Alcopop liegt oder das Portemonnaie plötzlich aus der Hosentasche verschindet: Eftal, Marco, Josef, Denis und Juan sind keine sympathischen Persönlichkeiten, aber hochspannende Menschen, die neugierig machen und viel mehr zu bieten haben, als sie in diesem Film zeigen dürfen."

Oliver Passek, Mitglied der Jury des Friedensfilmpreises 2010

 

Kommende Vorführungen:

  • 14.02.  17:30  Cubix 7
  • 19.02.  15:30  Colosseum 1

Friedensfilm-Empfehlung #2 für Samstag, 13.2.2010

"Soreret" (Black Bus) von Anat Yuta Zuria, Israel, 2009, Forum

"In den schwarzen Bussen sitzen vorne nur Männer mit schwarzen Hüten, hinten sitzen und stehen in großer Enge die Frauen mit bedeckten Haaren -- und wollen nicht fotografiert werden. Der Film zeigt uns den Alltag in der ultra-orthodoxen Haredi-Gemeinde, in Jerusalem und anderen isrealischen Orten. In der Haredim-Welt gilt: Der Messiahs könne nur kommen, wenn keinerlei sexuelles Begehren bei den Männern vorhanden sei.

Drei junge Frauen, die in diesem Milieu aufgewachsen sind, lehnen sich auf, verwirklichen diesen Film und sind damit aus ihren Familien ausgeschlossen. Ein Schicksal, das im demokratischen Israel fast unvorstellbar erscheint. Extremismus und Fundamentalismus -- egal in welcher Region und in welchem Land dieser Erde -- sind ein Grund für Konflikte und Krieg.
Sehr sehenswert."

Marianne Wündrich-Brosien, Mitglied der Jury des Friedensfilmpreises 2010

Kommende Vorführungen:

  • 13.2. 19:30 CinemaxX 4
  • 15.2. 12:30 Cubix 7
  • 16.2. 22:45 Arsenal 1

Friedensfilm-Empfehlung #1 für Freitag, 12.2.2010

"The Oath" von Laura Poitras, USA, 2010 / Forum

"Es sind seine freundlichen Blicke, die so irritieren: Abu Jandal ist das, wofür die Medien normalerweise die Kategorie ‚Top-Terrorist‘ gebrauchen. In den neunziger Jahren war er Leibwächter von Osama Bin Laden in Afghanistan, nun fristet er bescheidenes Leben als Taxifahrer in der jemenitischen Hauptstadt Sana‘a. Seinen Sohn Habib erweist er in den strengen Ritualen des regelmäßigen Gebets, für eine Gruppe Jugendlicher ist er eine Art Sozialarbeiter, der ihnen die Konsequenzen einer riskanten Biographie vor Augen führt. Anders als sein Schwager, dessen Präzendenzfall für die Anwendbarkeit des 2006 geschaffenen ‚Military Commities Act‘ gerade in Guantanamo verhandelt wird, blickt er als abgeklärter Veteran auf die chaotische Welt der Post-9/11-Ära und versilbert sein Insider-Wissen in Talkshows.

Was Laura Poitras intime Nahschau ‚The Oath‘ (Forum) so spannend macht, ist jedoch nicht allein das Porträt eines Renegaten, der das Begehren des Kameraauges lustvoll bedient und mal als größenwahnsinniger Aufschneider, mal als wichtiger Kronzeuge erscheint. Es ist die Analyse eines brüchigen legalen Rahmens, mit dem der ‚War against Terror‘ gegen Verdächtigte operiert. Der sichtlich nervöse Pflichtverteidiger der USA-Army, der in Guantanamo Bulletins vor Journalisten verliest, räumt denn auch ‚fundamentale Schwächen im System‘ ein. So bekannt die Rekrutierungsrouten der Djihadisten über Bosnien, Saudi-Arabien oder Pakistan mittlerweile sind, so unklar ist oft das Ausmaß der jeweiligen Verstrickung. Auch deshalb lächelt Abu Jandal und nimmt sich Kekse aus westlicher Produktion, weil ‚die nun mal einfach besser schmecken‘."

Jan Engelmann, Mitglied der Jury des Friedensfilmpreises 2010

Weitere Vorführungen:

  • 12.2. 16:30 CineStar 8
  • 13.2. 14:00 Delphi
  • 15.2. 19:30 CinemaxX 4
  • 21.2. 15:00 Cubix 7

"Der Tag des Spatzen"

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"Shahada"

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"L'Arbre et la Foret"

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"Shtikat Haarchion"

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"Bestevenner"

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"Neukölln Unlimited"

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"Friedensschlag"

Foto Black Bus
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"Soreret" (Black Bus)

Foto Black Bus
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"The Oath"

Foto The Oath
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